Wirtschaftsexperten blicken pessimistisch auf das deutsche Wachstum

Die deutsche Wirtschaft wird länger als erwartet benötigen, um wieder auf Kurs zu kommen. Ein führendes Wirtschaftsinstitut hat seine Wachstumsprognosen für die nächsten zwei Jahre deutlich nach unten korrigiert. Das in München ansässige Institut erwartet für 2026 nur noch ein Wachstum von 0,8 % und für 2027 von 1,1 %. Das entspricht einer Abwärtskorrektur von jeweils 0,5 Prozentpunkten gegenüber der letzten Prognose. Auch die Vorhersage für das laufende Jahr wurde gesenkt; das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll nur um 0,1 % wachsen.

Konkurrenz durch China belasten die industrielle Basis

Die exportorientierte deutsche Wirtschaft leidet stark unter den von den USA verhängten Zöllen und versucht gleichzeitig, sich von den Rezessionen der Jahre 2023 und 2024 zu erholen. Globale Handelshemmnisse und die zunehmende Konkurrenz durch China belasten die industrielle Basis, während Verbraucher mit steigenden Preisen kämpfen.

Die Wirtschaft passe sich nur langsam und mit hohem Aufwand an den strukturellen Wandel an, der Innovation und neue Geschäftsmodelle erfordere. Zudem würden Unternehmen und Start-ups durch Bürokratie und veraltete Infrastruktur ausgebremst.

Die Regierung plant Milliardeninvestitionen in die Modernisierung der Infrastruktur und in die Verteidigung. Dennoch sehen Experten strukturelle Reformen als Voraussetzung für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung. Insbesondere niedrigere Energiekosten, geringere Sozialausgaben und ein deutlicher Bürokratieabbau werden gefordert.

Während die Prognosen anderer Forschungsinstitute weitgehend übereinstimmen, ist die Wirtschaftsvorhersage der Bundesregierung etwas optimistischer und geht für 2026 und 2027 von einem Wachstum von 1,3 % bzw. 1,4 % aus.

Ein weiteres Institut warnt ebenfalls vor schleppender Entwicklung und verweist auf strukturelle Probleme im Sozialsystem, übermäßige Bürokratie und Rückstände bei neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz. Laut Prognosen führen die US-Zölle auf EU-Importe zu einem Wachstumsverlust von 0,3 Prozentpunkten im Jahr 2025 und 0,6 Prozentpunkten im Jahr 2026. Die Unsicherheit bleibe trotz der jüngsten Entspannung im transatlantischen Verhältnis hoch. Ein Basiszollsatz von 15 % gilt für die meisten Waren, Stahl und Aluminium sind höher belastet.

2,5 % wachsen zwischen 2025 und 2027 jährlich

Während die Weltwirtschaft zwischen 2025 und 2027 jährlich um durchschnittlich 2,5 % wachsen soll, wird die deutsche Industrie laut Prognose von dieser Entwicklung kaum profitieren und weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Die von der Regierung geplanten Maßnahmen dürften kurzfristig helfen, reichen jedoch nicht aus, um die Produktivitäts- und Wachstumskapazität langfristig zu erhöhen. Erwartet wird ein Wachstumseffekt von 0,3 Prozentpunkten im Jahr 2026 und 0,7 Prozentpunkten im Jahr 2027.

Die deutsche Wirtschaft verliere Schwung, da Arbeitskräftepotenzial, Unternehmensinvestitionen und Produktivitätswachstum zurückgingen. Ohne strukturelle Reformen drohe eine weitere Schwächung des Wirtschaftsstandorts. Notwendig seien Anreize zur Erhöhung der Arbeitsmarktteilnahme, umfassende Digitalisierung und eine Vereinfachung staatlicher Strukturen.

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